Zum Konzert in der St. Stephan-Kirche, Hamburg, Stephanstr. 117. 22047 Hamburg

Andrej Madatov

Andrej Madatov wurde 1964 in einer Musikerfamilie geboren. Der Vater Oleg Kryssa ist konzertierender Violinist und die Mutter Julia Madatov ist Klavier-Professorin an der Hochschule für Musik u. Theater in Hannover.
David Oistrach und Leonig Kogan veranlaßten Andrej Madatov zu dem Entschluß, Geige zu spielen. Im Alter von 7 Jahren erhielt er seinen ersten Violinunterricht bei Professor Andrievsky, der einige Jahre später an die Menuhin School nach London berufen wurde. Im Jahre 1974 setzte Andrej Madatov seine Ausbildung an der Musikschule am Gnessin-Institut fort.
1981 kam Andrej Madatov nach Deutschland und nahm Privatunterricht bei Professor Schewelov, dem späteren Nachfolger von Ivan Galamian an der Juliard School of Musik in New York.
Die Inspiration, die von Schewelov ausging, hinterließ bei Madatov einen nachhaltigen Eindruck. Im folgenden Jahr nahm er in Hannover das Studium an der Hochschule für Musik und Theater auf. Die Studienzeit bei Professor Aydintan ist für die künstlerische Entwicklung von Andrej Madatov entscheidend. Schon während dieser Zeit unternimmt er ausgedehnte Konzertreisen in Deutschland, Holland, der Schweiz und Japan. Er wird außerdem Mitglied im Menuhin Festival Orchestra; der Dirigent ist Sir Yehudi Menuhin.
Seit 1989 lebt Andrej Madatov in Hamburg. Seine intensive Konzerttätigkeit hat einen Schwerpunkt in dem Repertoire für Violine Solo, welches er ständig erweitert. Seine Vituosität und seine ausgeprägte Sensibilität erregen überall Bewunderung.


Presse, zitiert aus:
WeserKurier (8/2002)

"Von unserem Mitarbeiter
Manfred Züghart

Abenteuer auf höchstem Niveau

Der Geiger Andrej Madatov spielte in St. Johannes Arsten


"Sei Solo a Violino senza Basso accompagnato" nennt Johann Sebastian Bach auf dem eigenhändig beschriebenen Titelblatt jene sechs Solissimo-Werke, mit denen er den scheinbar unauflöslichen Widerspruch zwischen polyphon-harmonischen Bauprinzipien und einem auf Einstimmigkeit und melodische Entfaltung angelegten Charakter der Geige aufgehoben hat, in denen er zwischen kümmerlichen fünf Notenlinien den Kosmos barocken musikalischen Denkens eingefangen hat, wenn nicht gar das Essentielle von mehrstnmiger Musik überhaupt.
Für jeden Geiger bleiben die drei Sonaten und ebenso vielen Partiten das Traumziel, dem ein Moment des Unerreichbaren anhaftet, setzt man vor dem Hintergrund technischer Bewältigung die musikalische und geistige Durchdringung als Maßstab.
Was erwartete man da von einem Geigenabend in der kleinen Stadtrand-Gemeinde St. Johannes in Arsten, für den der kaum bekannte, russisch-gebürtige und jetzt in Hamburg lebende Geiger Andrej Madatov drei der Gipfelwerke samt der alle Dimensionen sprengenden d-Moll-Chaconne in Angebot hatte?
Auf jeden Fall nicht das, was die zwei Dutzend Besucher der kleinen, so traditionsreichen wie reizvollen Kirche erlebten: Ein faszinierendes musikalisches Abenteuer auf höchstem Niveau und von eigener Prägung. Ein Bach-Konzert, das den Geigenhimmel für eineinhalb Stunden gen Arsten öffnete.

Wieviele verschiedene Arten gibt es inzschen, sich etwa der g-Moll-Sonate (BWV 1001) zu nähern? Sucht man im Nachhinein für Madatovs Spiel nach personalen Bezügen, so kommt man, fernab aller rasanten Schnellspieler, auf den Altmeister Henryk Szeryng.
Diese ruhigen Tempi, die sich offenbar am Schlag des Herzens orientierten, erinnerten an ihn, prägten den Gesamteindruck und machten zwischen schnellen und langsamen Sätzen das zusammenbindende Gemeinsame erfahrbar. Und sie ließen Raum: Für den improvisatorisch anmutenden Nuancenreichtum des Adagios. Auch für die liebevoll durchdeklamierte Fuge, in der jeder Themeneintritt in absoluter Klarheit sein eigenes, dynamisch belebtes Profil erhielt. Spätestens hier, bei der ersten doppelgriff-gesättigten Form, ist der Konzertpartner Kirchenschiff zu benennen, welcher mit überhöhendem Raumhall das süffig-satte Akkordspiel quasi orchestral auflud. (Es gibt ja eine vermutlich originale Orgelfassung dieses Stückes. Hier wäre sie, konkurrierend, verblasst!)
Wunderschön, wie in der g-Moll-Sonate oder etwa auch später bei der E-Dur-Partita eine maßvolle Geläufigkeit der Schlusssätze die harmonische Grundstruktur plastisch hervortreten ließ. Und wie rhythmisch belebt gelangen alle tänzerischen Sätze - bis hin zu den extrem langsam, ja altfränkisch genommenen Menuetten, welche so in der E-Dur-Partita die Funktion der fehlenden Sarabande übernehmen konnten.
Die unvergleichliche Chaconne als Krönung der d-Moll-Partita und des gesamten Zyklus verschlug zum Schluss mit ihrer auf die Kulminationspunkte hinzielenden Dramatik den Atem. Man mag sie sich - wie überhaupt alle 16 Einzelsätze des Abends ganz anders denken, im Ton historischer grundiert, weniger emotionalisiert. Aber entziehen konnte man sich kaum dem, was Andrej Madatov seinem kleinen Instrument an großen Tönen in Arsten zu entlocken vermochte."

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